Web Components - Das Ende vom Javascript Framework Dschungel?

React, Angular, Vue.js, Svelte - die Liste der JavaScript-Frameworks wächst stetig. Doch mit Web Components gibt es einen standardisierten Ansatz, der direkt in Browser eingebaut ist. Bedeutet das das Ende des Framework-Dschungels?
Was sind Web Components?
Web Components sind ein Satz von Web-Plattform-APIs, die es ermöglichen, wiederverwendbare, benutzerdefinierte HTML-Elemente zu erstellen. Der Standard besteht aus vier Haupttechnologien:
1. Custom Elements
Custom Elements ermöglichen es, eigene HTML-Tags zu definieren:
class MyButton extends HTMLElement {
constructor() {
super();
this.attachShadow({ mode: 'open' });
}
connectedCallback() {
this.shadowRoot.innerHTML = `
<style>
button {
background: #007bff;
color: white;
border: none;
padding: 10px 20px;
border-radius: 4px;
}
</style>
<button><slot></slot></button>
`;
}
}
customElements.define('my-button', MyButton);Verwendung im HTML:
<my-button>Klick mich</my-button>2. Shadow DOM
Shadow DOM kapselt CSS und DOM eines Components, sodass Styles nicht nach außen dringen und von außen nicht beeinflusst werden:
const shadow = this.attachShadow({ mode: 'open' });
shadow.innerHTML = '<style>/* gekapselte Styles */</style>';3. HTML Templates
Das <template>-Element ermöglicht das Definieren von wiederverwendbarem HTML, das nicht sofort gerendert wird:
<template id="my-template">
<div class="card">
<h2><slot name="title">Default Title</slot></h2>
<p><slot name="content">Default Content</slot></p>
</div>
</template>4. ES Modules
JavaScript-Module ermöglichen das Importieren und Exportieren von Funktionen, Klassen und Components:
import { MyButton } from './my-button.js';Vorteile von Web Components
Framework-Agnostisch
Web Components funktionieren mit jedem Framework oder ganz ohne Framework. Ein einmal erstelltes Component kann in React, Angular, Vue oder reinem HTML verwendet werden.
Standardisiert
Im Gegensatz zu Framework-spezifischen Components sind Web Components ein Web-Standard, der von allen modernen Browsern unterstützt wird.
Kapselung
Durch Shadow DOM sind Styles und DOM sauber gekapselt. Keine Konflikte mit globalen Styles mehr.
Zukunftssicher
Als Browser-Standard werden Web Components langfristig unterstützt, unabhängig davon, welches Framework gerade populär ist.
Nachteile und Herausforderungen
Weniger Funktionalität out-of-the-box
Web Components bieten keine eingebaute Zustandsverwaltung, kein Routing und keine reaktive Datenbindung wie moderne Frameworks.
Größerer Boilerplate-Code
Für einfache Components ist mehr Code nötig als beispielsweise in React:
// Web Component
class Counter extends HTMLElement {
constructor() {
super();
this._count = 0;
this.attachShadow({ mode: 'open' });
}
connectedCallback() {
this.render();
this.shadowRoot.querySelector('button').addEventListener('click', () => {
this._count++;
this.render();
});
}
render() {
this.shadowRoot.innerHTML = `
<button>Count: ${this._count}</button>
`;
}
}
// React Equivalent
function Counter() {
const [count, setCount] = useState(0);
return <button onClick={() => setCount(count + 1)}>Count: {count}</button>;
}Tooling und Entwicklerfahrung
Frameworks wie React bieten ausgereiftere Developer Tools, Hot Reloading und ein besseres Debugging-Erlebnis.
Web Components und Frameworks - Koexistenz statt Konkurrenz
In der Praxis schließen sich Web Components und Frameworks nicht aus. Es gibt mehrere sinnvolle Kombinationen:
1. Shared Components
Für Design-Systeme oder Component-Libraries, die framework-übergreifend genutzt werden sollen, sind Web Components ideal.
2. Micro-Frontends
Bei Micro-Frontend-Architekturen können verschiedene Teams unterschiedliche Frameworks nutzen, während sie über Web Components interagieren.
3. Framework-Wrapper
Libraries wie Lit oder Stencil vereinfachen die Erstellung von Web Components und bieten Framework-ähnliche Features wie reaktive Properties.
// Mit Lit
import { LitElement, html, css } from 'lit';
class MyCounter extends LitElement {
static properties = {
count: { type: Number }
};
constructor() {
super();
this.count = 0;
}
render() {
return html`
<button @click=${() => this.count++}>
Count: ${this.count}
</button>
`;
}
}Fazit
Web Components werden Frameworks wie React nicht ersetzen, aber sie werden eine wichtige Rolle spielen - besonders für wiederverwendbare UI-Components und Micro-Frontends. Die Zukunft liegt wahrscheinlich in einer Kombination: Frameworks für die Anwendungslogik und Web Components für portable, gekapselte UI-Bausteine.
Bei innFactory beobachten wir die Entwicklung von Web Components genau und setzen sie dort ein, wo sie Sinn ergeben - insbesondere bei der Entwicklung von Design-Systemen und der Integration unterschiedlicher Technologie-Stacks.

Anton Spöck


